Anders als im Bereich der Medizin oder Psychologie gibt es in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften bislang keine etablierten Verfahren, um zu überprüfen, ob Forschungsprojekte ethische Standards einhalten. Gleichwohl werden in internationalen Kooperationen zunehmend Voten von Ethikkommissionen gefordert. Der Rat für Sozial und Wirtschaftsdaten (RatSWD) hat nun Empfehlungen erarbeitet, die die Etablierung von forschungsethischen Prüfverfahren fordern und konkretisieren. Im Kern umfassen sie die folgenden Empfehlungen:

  1. Die ethische Reflexivität der Forschenden soll erhöht werden, indem ethische Fragen bereits in der universitären Ausbildung stärker thematisiert werden. Ethische Fragen sollten anschließend in allen Forschungsphasen berücksichtigt werden können.
  2. Es sollten lokale Ethikkommissionen eingerichtet werden, sofern davon auszugehen ist, dass eine ausreichend große Zahl von Prüfungen zu erwarten ist, und sofern fachlich und methodisch geschulte Wissenschaftler als Kommissionsmitglieder darin mitwirken können.
  3. Für interdisziplinäre und ungewöhnliche Projekte wird die Einrichtung überregionaler Ethikkommissionen empfohlen
  4. Es sollte ein permanentes Forum eingerichtet werden, in dem Antworten zu drängenden Herausforderungen durch neue Technologien, z.B. durch Big Data, Social Media, visuelle Daten diskutiert und forschungsethische Lösungen entwickelt werden können.

Zum Weiterlesen: RatSWD (Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten) (2017): Forschungsethische Grundsätze und Prüfverfahren in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Berlin (Output series, 5. Berufungsperiode, 9). Online verfügbar unter https://www.ratswd.de/dl/RatSWD_Output9_Forschungsethik.pdf.